Das Musical
VOM SÄNGERTRIO MIT KLAVIERBEGLEITUNG ZU GROSSEN MUSICALPRODUKTIONEN MIT 110 SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN
Was heute mit unserer Schule in der Öffentlichkeit assoziiert wird, ist vielleicht erst der Sport, doch gleich danach die alljährlichen Musiktheaterproduktionen mit inzwischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus allen Jahrgangsstufen – bei der letzten Produktion „Der Fluch des Hexers“ waren es 110 Schülerinnen und Schüler, die im Chor und als Solisten auf der Bühne sangen und agierten, die im Orchester Chor und Solisten begleiteten, die auf der Bühne als Bühnenarbeiter, in der Technik im Technikraum und hinter der Bühne als Dresserinnen und Visagistinnen arbeiteten. Auch für das neue Musical „Herr der Diebe“ haben sich inzwischen genauso viele angemeldet – ein Siebtel der Schülerschaft ist in diesen Aufführungen involviert.
Das war nicht immer so! Als die Leiterin und Initiatorin der Musiktheaterprojekte, Frau Barbara Ortwein, vor 22 Jahren damit begann, konnte sie nur 2 Schüler, die Medebacherin Ruth Schäfer aus der damaligen 11 und den Winterberger Schüler Holger Linn aus der Klasse 10 dafür gewinnen, in der kurzen Mozart-Oper „Bastien und Bastienne“ die Partien der Bastienne und des Zauberers Colas zu singen. Sie selbst musste die Hosenrolle des Bastien übernehmen. Auch an ein Orchester war damals nicht zu denken, für die Begleitung der Sängerinnen und Sänger konnten einige gute Pianisten gewonnen werden, die den Klavierauszug spielten.Nach so bescheidenen Anfängen gab es in Zusammenarbeit mit Frau Gabriele Knüppel bald Fortschritte in diesem Bereich, Konzerte, in denen Frau Knüppel Singspiele für Kinder aufführte und Frau Ortwein kurze Musicals für die älteren Schüler ( „Sweeney Todd, the Barber“; Persephone; Her M. S. Pinafore usw. ) . Dabei begleiteten die Musikkurse der Jahrgangsstufen 11-13 ihre zahlenmäßig überschaubaren Mitschülerinnen und Mitschüler auf der Bühne auf vorhandenen Instrumenten wie den Orffschen Instrumenten, aber auch auf in den Musikvereinen gelernten Blasinstrumenten. Für Frau Ortwein bedeutete das, dass sie ständig die nur als Klavierauszüge vorhandenen Stücke für die Musikkursbesetzung arrangieren musste – handschriftlich wohlgemerkt, da es damals noch keine Computerprogramme für solche Aufgaben gab. Zum 10 jährigen Jubiläum der Musiktheateraktivitäten der beiden Musiklehrerinnen gab es dann eine immer noch überzeugende gemeinsame „Cats“-Aufführung, Als Frau Knüppel nach Medebach ging, konnte Frau Ortwein ihren neuen Kollegen, Herrn Burkhard Eilebrecht, mit ihrer Musiktheaterbegeisterung anstecken und beide wagten sich an größere Stücke ( „ Oliver“, „My Fair Lady“ und „Phantom der Oper“ ), die sie immer noch mit der schon genannten Besetzung aufführten.
Ein radikaler Neuanfang mit der Gründung eines Musicalorchesters, in dem neben typischen Orchesterinstrumenten wie Querflöten, Klarinetten, Saxophone, Streicher oder Blechbläsern auch Gitarren, E-Bass, E-Gitarre, Klavier, Keyboard etc. eingesetzt wurden, konnte mit der Gründung des Mittelstufenorchesters kurz vor der Jahrtausendwende vollzogen werden. Seit dieser Zeit üben die Schülerinnen der Klassen 5 bis 10 in einer 7. Stunde in der Woche im Mittelstufenorchester, diejenigen der Oberstufe zu bestimmten Terminen an ausgesuchten Wochenenden. Auch der Chor der Mittel- und Oberstufe wurde in den letzten Jahren immer größer, was Frau Ortwein vor eine große Herausforderung stellt: Selbstverständlich möchte sie das Interesse der Jungen und Mädchen am Chor fördern, anderseits aber muss sie diese Schülerinnen und Schüler auch mit Kostümen einkleiden, was sie trotz des riesigen Kostümfundus, den sie inzwischen angehäuft hat, vor große Probleme stellt, denn die Kostüme werden meistens von ihr selber genäht. Trotz der großen Erfolge, die sie mit ihren Schülerproduktionen hat ( Vor kurzem wurde sie aufgrund dieses weit über den normalen Unterricht hinausgehenden Engagements mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Winterberg ausgezeichnet! ), konnte sie bisher keinen Kollegen finden, der z.B. die Inszenierung der den Musiktheaterproduktionen zugrunde liegenden Theaterstücke übernimmt.
Hilfe und damit weitere Professionalisierungen ihrer Aufführung erhielt Frau Ortwein jedoch durch den systematischen Ausbau der so wichtigen vorbereitenden Arbeiten vor den Aufführungen : Frau Franziska Schäfer, Profi-Maskenbildnerin beim Staatstheater Kassel, und die zwei Friseurmeisterinnen Frau Verena Sander und ihre Tochter Frau Sandra Guntermann vom Salon Abel-Sander in Winterberg ( Letztere hat ebenfalls mehrere Hauptrollen in früheren Produktionen gesungen! ) opfern vor jeder Aufführung mehrere Stunden Zeit, um die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zu schminken und zu frisieren.
Ihre ehrenamtliche, unentgeltliche Arbeit ist stets „das Tüpfelchen auf dem i“ der Musicalproduktionen!
Nach einer radikalen Veränderung des Urheberrechtes, die auch von Schulproduktionen Tantiemenzahlungen an die Komponisten und Autoren von Stücken – selbst bei freiem Eintritt- erwarten, konnte Frau Ortwein nicht mehr auf so viele Stücke zurückgreifen.
Die Folge ist, dass sie fortan mehr Stücke selber schreiben und sie komponieren lässt.
Unterstützung fand sie dabei von dem Musikschullehrer und Komponisten Martin Pohl, mit dem sie eine Kompositions-AG ins Leben rief. Ihr erster gemeinsamer, legendärer Erfolg war die Aufführungsserie des Musicals „Im Zeichen des Z...“ ( 6 Aufführungen ). Das „Zorro“-Musical mit den dramatischen Fechtstunts, den Tanzeinlagen, der ständigen Verwandlung des Hauptdarstellers Maik Schmiedeler vom desinteressierten Diego de la Vega zum rebellischem Zorro, der opulenten lateinamerikanischen Musik und der Mischung aus Komödie und Tragödie wurde sowohl als CD als auch als DVD ein Hit und heizte das Interesse an der Musiktheaterarbeit an unserer Schule noch mehr an.
Bei der letzten Produktion „Der Fluch des Hexers“, einer düsteren Tragödie aus dem puritanischen Osten der USA, kam neben der Kompositions-AG noch eine Neuerung bei der Musicalproduktion hinzu: Eine Schreibwerkstatts-AG, die die Libretti schreibt. Bei der aktuellen Produktion wurde das Buch „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke vor einem Jahr von Lisa Müsse ( jetzt 12 ), Marina Hell( 12), Anja Himmelrath ( 10 ), Vanessa Kordes ( 8) und Franziska Mause ( 8 )unter der Leitung von Frau Ortwein in mehrmonatiger Arbeit zu einem Theaterstück umgeschrieben, wobei das Libretto im Gegensatz zu Sprechtheaterstücken eingefügte Songs enthält, die in Form von Gedichten Vorlagen für die Komponisten liefern.
Erst nachdem sich die Lektorin von Frau Funke sehr positiv über die Theaterversion von Lisa, Marina, Anja, Franziska und Vanessa geäußert und uns grünes Licht für die Komposition gegeben hatte, durfte die Kompositions-AG mit Marlo Honselmann ( 13 ), Benedikt Gellrich ( 13 ), Marius Kräling ( 13 ), Manuel Pohl ( 10 ), Christian Kießler ( 10 ) und René Ittermann ( 10 ) mit ihrer kompositorischen Arbeit anfangen, die sich noch bis Ende November 2009 hinziehen wird.
Dass unsere Schule zu den wenigen Schulen im Bundesgebiet gehört, die aus einer so kleinen Schülerschaft Musiktheaterproduktionen aus eigener Kraft in solchem Umfang und Niveau durchführt, sei noch am Rande erwähnt und wurde von der Uni Dortmund in einer wissenschaftlichen Studie vor kurzem besonders gewürdigt...
von Barbara Ortwein