Internationaler Schüleraustausch in Jerusalem-Ost

Schüler des Geschwister–Scholl-Gymnasiums aus Winterberg in Jerusalem

Am 25.10.2007 brachen fünf Schülerinnen und zwei Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums der Stadt Winterberg zum Besuch des Schmidt´s Girls College nach Ost-Jerusalem auf. Begleitet wurden die Schüler Klara Gernholt, Carolin Aust, Aurelia Arnoldt, Sonja Fuchs, Ellen Gruß, Niklas Beckmann und Moritz Plebs bei diesem außergewöhnlichen Austausch von ihrer Lehrerin Christiane Mayweg. Kennengelernt hatten sie die arabisch-palästinensischen Schülerinnen bereits am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Winterberg beim interkulturellen Schüleraustausch im Januar dieses Jahres. In Jerusalem trafen sie auch auf die Schülerinnen der Deutschen Schule Prag (Tschechien) und der Deutschen Schule der Borromäerinnen in Alexandria (Ägypten). Gesprochen wurde bei diesem internationalen Projekt Deutsch und Englisch.
Ziel des diesmaligen, zehntägigen Projekttreffen war es, den Alltag der jeweils anderen kennenzulernen. Selbstverständlich stand dabei das Leben in Jerusalem im Vordergrund. Das Schmidt´s Girls College, eine Schule in der Trägerschaft des katholischen Heilig-Land-Vereins, liegt zentral nahe der Altstadt, gleich neben dem Damaskustor. Daher lernten die Schülerinnen diese besonders intensiv kennen, indem sie mit Videokameras ausgerüstet die Passanten in den engen Gassen der Altstadt zur Lage in Jerusalem befragten. Eine andere Gruppe versuchte die unzähligen Geräusche in dieser lebendigen lauten Atmosphäre aufzuzeichnen und zu einer Klangcollage umzugestalten: Vom Muezzin über die lauten Rufe der Marktschreier und dem Geläut der unzähligen Kirchenglocken bis hin zum ununterbrochenen Gehupe der Autos ergab alles eine fremdartige Klangkulisse, die von den Schülern musikalisch verändert wurde.
Auch besuchten die Schüler und Schülerinnen die heiligen Plätze der großen monotheistischen Weltreligionen, wie die christliche Grabeskirche und die jüdische Klagemauer. Hier steckten die Schülerinnen ebenfalls kleine Zettel mit Gebeten in die Ritzen der uralten Mauer. Selbst ein Besuch der Al-Aqsa-Moschee sowie des moslemischen Felsendomes wurde den Schülern und Schülerinnen ermöglicht, Plätze, die zur Zeit den Touristen nicht zugänglich sind. Hier mussten alle Mädchen und Lehrerinnen sich der strengen Kleiderordnung unterziehen und die Haare mit einem Kopftuch bedecken und Röcke tragen.
Besonders überwältigt waren die Schülerinnen und Schüler aber auch von der überschwenglichen arabischen Gastfreundschaft und Herzlichkeit in ihren Gastfamilien, mit der sie in Ost-Jerusalem empfangen und verwöhnt wurden.
Nach all den eindrücklichen Erlebnissen und Erfahrungen in Jerusalem fuhren alle Austauschteilnehmer mit ihren Lehrern für zwei Tage an den See Genezareth nach Tabgha. Im Jugendhaus des Benediktinerordens direkt am See werteten die Schüler ihre Erfahrungen und Eindrücke auf vielfältige Weise aus.
Die Autorin Margret Greiner, eine genaue Kennerin der Region und selbst zwei Jahre lang Lehrerin am Schmidt´s Girls College, las aus ihrem Buch „Jefra heißt Palästina“, um auch das konfliktreiche und spannungsgeladene Neben- und Miteinander mit Israel differenziert aufzuzeigen. Im Anschluss daran entspann sich eine lebhafte Diskussion mit den arabischen Schülerinnen der Schmidt-Schule, die zeigte, dass es keine einfachen Lösungen für das politische Problem gibt. Absolut wichtig ist es aber, dass die Menschen der beiden Völker miteinander im Gespräch bleiben und immer wieder das Gespräch suchen, um wenigstens im Ansatz ein gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen.
Abgerundet wurde dieser intensive Schüleraustausch mit einem entspannenden Bad im Toten Meer. Natürlich schmierten sich die Schülerinnen und Schüler auch mit dem heilsamen schwarzen Schlamm des Toten Meeres ein.
Den Abschluss dieser erlebnisreichen Tage bildete dann die Olivenernte auf dem Ölberg mit einem grandiosen Blick auf die Altstadt und die goldglänzende Kuppel des Felsendoms.
Das außergewöhnliche interkulturelle Austauschprojekt trägt den Titel „Unterschiede leben- gemeinsam füreinander dasein“. Im Zentrum des Projekts stehen die vier oben genannten Schulen. Es wird von Thomas Jäger, Initiator des Projekts, von der Deutschen Schule der Borromäerinnen aus international koordiniert.
Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt und fördert diesen Austausch. Das Projekt ist auch als offizielles Dekadeprojekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ 2007/2008 ausgewählt worden.
Bei allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen hat der zehntägige interkulturelle Austausch einen nachhaltigen Lernprozess in Gang gesetzt. Ihr Bewusstsein für die Probleme dieser Region des Nahen Ostens ist eindrücklich geschärft worden. Die menschlichen Begegnungen haben sie tief bewegt.
Die vorläufig letzte Begegnung im Rahmen des interkulturellen Austauschprojekts findet im kommenden Frühjahr in Prag statt.